Hinweise zum Igelschutz

Igelunterkünfte

Die beste Hilfe für unseren Igel ist zweifellos, seinen Lebensraum zu erhalten und weitere Biotope zu schaffen, die ihm Unterkunft und Schutz gewähren. Verwilderte Ecken im Garten, Reisig- und Komposthaufen, aufgeschichtete Steine mit trockenen Hohlräumen, ausgehöhlte Baumstämme und Lücken im aufgesetzten Kaminholz werden besonders gern von der Igelin angenommen, um dort ihre Jungen großzuziehen. Man kann aber auch ganz gezielt Igelunterkünfte schaffen. An einer geschützten Stelle im Garten legt man einen hohen Haufen aus Reisig und trockenem Laub an. Darüber spannt man eine Kunststofffolie und beschwert diese an allen vier Ecken.

Wer sich etwas mehr Arbeit machen möchte, kann auch ein Holzhäuschen mit den Innenmaßen 30 x 30 x 30 cm bauen. Das Einschlupfloch sollte dabei nicht größer als 10 x 10 cm sein. Auf das nach außen an allen vier Seiten überstehende Dach legt man Dachpappe oder witterungsfeste Kunststofffolie und befestigt diesen Regenschutz gut. Anschließend wird trockenes Heu oder Stroh in den Unterschlupf gelegt.

Auch versetzt (einsturzsicher!) übereinandergelegte Ziegelsteine, mit einer Holzplatte abgedeckt, eignen sich als Igelunterkunft. Die Größe des Einschlupfloches sollte auch hier 10 x 10 cm betragen. Werden die Seiten und das Dach mit Grasboden belegt, wird die Unterkunft noch wetterfester. Außerdem sind im Handel käufliche Igelunterkünfte erhältlich.

Wann einen Igel aufnehmen?

Es wäre verkehrt, schon im September / Oktober Igel aufzunehmen, die sich draußen noch auf Futtersuche befinden. Man kann allerdings an einem geschützten Platz zufüttern. Dafür eignen sich im Zoohandel erhältliches Igelfertigfutter, Hunde- und Katzendosenfutter (auch Trockenfutter), Bananen, ungesalzene gehackte Nüsse und ungeschwefelte Rosinen. Immer sollte ein Schälchen mit Wasser bereitstehen. Niemals Milch geben, dies kann zu schweren Verdauungsstörungen führen. Die Schälchen müssen täglich gereinigt und Futterreste weggeworfen werden.

Igel, die in Eis und Schnee umherirren, sind entweder krank oder man hat ihr Winterquartier zerstört. Diese Igel sind auf unsere Hilfe angewiesen.

Kranke Igel erkennt man an röchelndem Atmen, Zittern, Gehunfähigkeit, blutigem Stuhl, tief in den Höhlen liegenden Augen, an der Absonderung von zähem Schleim aus der Nase. Hier ist sofort mit einer Igelstation oder mit dem Tierarzt Kontakt aufzunehmen.

Fast alle Igel schlafen bei normalen Witterungsverhältnissen etwa ab Mitte November. Sogenannte Spätwürfe, die zu dieser Zeit noch umherirren, brauchen unsere Hilfe. Aufnehmen sollte man Igel mit folgenden Gewichten:

  • gegen Ende Oktober unter 400 Gramm

  • Anfang bis Mitte November unter 500 Gramm.

Auch mit scheinbar gesunden Igeln sollte man vor der Aufnahme ins Haus den Tierarzt aufsuchen, da Igel häufig von Parasiten (Würmer, Flöhe) befallen sind.

Erste Hilfsmaßnahmen

Igel müssen auf Verletzungen untersucht, Flöhe und Zecken entfernt werden. Flohspray ist im Zoofachhandel erhältlich. Man deckt den Kopf des Igels mit einem Tuch ab und sprüht nicht mehr als ein Drittel des Körpers ein. Anschließend wickelt man den Igel locker in ein Handtuch; die abgetöteten Flöhe lassen sich dann leicht herausschütteln. Die Behandlung wird gegebenenfalls wiederholt.

Igel (und verwaiste Igelbabys!) Igel sind unterkühlt, wenn sich die Bauchseite deutlich kälter anfühlt, als die eigene Hand. Umwickeln Sie eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Wärmflasche (kein Heizkissen!) mit einem Frotteehandtuch und legen Sie diese in einen passenden, hochwandigen Karton. Setzen Sie darauf den Igel und decken Sie ihn mit einem weiteren Handtuch zu.

Zecken entfernt man am besten mit einer speziellen Zeckenzange (in der Apotheke, beim Fachhandel oder beim Tierarzt erhältlich). Die Zecke wird mit der Zange direkt an der Haut des Igels erfasst und herausgedreht. Auf keinen Fall Öl verwenden! Wichtig ist, dass der Zeckenkopf mit entfernt wird, da es sonst zu Entzündungen kommen kann.

Unterbringung

Für die Unterbringung benötigt man eine Igelbox mit den Maßen 200 x 200 cm bei einer Höhe von 50 cm (Igel sind gute Kletterer!). Diese Maße sind nötig, damit der Igel, wenn er nicht winterschläft, genügend Auslauf hat. Bei Verwendung eines Kartons muss dieser regelmäßig auf Durchweichung kontrolliert werden, damit der Igel nicht ausbrechen kann. In die Box stellt man ein Schlafhäuschen, jedoch nicht in eine Ecke, damit der Igel nicht herausklettern kann. Box und Schlafhaus polstert man mit einer dicken Lage Zeitungspapier aus; das Schlafhaus wird zusätzlich mit viel Haushaltspapier ausgepolstert. Das Papier muss, sofern verschmutzt, regelmäßig ausgewechselt werden (man kann auch Heu oder Stroh zur Auspolsterung verwenden). Winterschlafende Igel dürfen allerdings nicht gestört werden!

Bis zu Beginn des Winterschlafs sollte man die Box in einem hellen, ruhigen und zimmerwarmen Raum unterbringen. Zeigt sich der Igel winterschlafbereit, was man an Nahrungsverweigerung und Zustopfen des Einschlupfloches erkennt, kann man den Igel, sofern er mindestens 600 Gramm auf die Waage bringt, an einen kühleren Ort bringen. Die Temperatur sollte dort 6o C nicht übersteigen. Es sollten immer Wasser und Trockenfutter bereitstehen, falls der Igel doch einmal aufwacht.

Folgendes Grundfutter hat sich bewährt:

1 Esslöffel Hunde- oder Katzendosenfutter wird mit 3-4 Esslöffeln Igelfertigfutter vermischt. Auch Hundeflocken können verwendet werden. Als Beigaben sind Bananen, Tartar, ungesalzene Nüsse, ungeschwefelte Rosinen und Haferflocken geeignet.

Leider werden immer wieder Igelsäuglinge gefunden, die unserer Hilfe bedürfen. Sei es, dass die Mutter durch Baumaßnahmen gestört oder dass sie Opfer des Straßenverkehrs wurde. Igelsäuglinge benötigen eine spezielle Pflege und Ernährung. Sie brauchen zuerst Wärme und Flüssigkeit. Um ihr Wärmebedürfnis zu befriedigen, verwendet man am besten die bereits erwähnte Wärmflasche. Als erste Flüssigkeit gibt man dem Säugling vorsichtig etwas ungesüßten Fencheltee ein; zur Eingabe verwendet man eine Kunststoffspritze (ohne Nadel). Für die weitere Aufzucht benötigt man spezielle Ersatzmilch für Igel (z.B. Esbilac, beim Tierarzt erhältlich). 1 gestrichener Teelöffel Esbilac wird mit 2 Teelöffeln Fencheltee vermischt. Einmal täglich erhalten die Säuglinge einen Zusatz von einem Vitamin-B-Komplex (z.B. Crescin) und eine Messerspitze Kalk (z.B. Osspulvit). Beide Zusätze erhält man in der Apotheke oder beim Tierarzt.

Tut Eile Not, behilft man sich mit einer Mischung aus: 1/3 ungesüßtem Fencheltee, 1/3 rohem Eigelb und 1/3 Magerquark (alles gut vermischen). Diese Mischung ist nur ein Behelf, bis man sich die erwähnten Aufzuchtmittel besorgt hat; sie darf keinesfalls über längere Zeit verabreicht werden.

Anfangs füttert man die kleinen Igel alte 2-3 Stunden, auch in der Nacht. Nach jeder Fütterung muß man mit einem warmen, feuchten Wattebausch das Bäuchlein bis zum After massieren, dies ist eine unbedingt erforderliche Maßnahme zur Anregung der Verdauung und des Urinierens.

Sobald die Igel nicht mehr zunehmen und sich die Milchzähne zeigen, ist eine Erweiterung der Nahrung erforderlich. Der oben beschriebenen Nahrung fügt man im Mixer püriertes Hunde- oder Katzendosenfutter zu. Gut geeignet sind auch Bananen. Wenn die Kleinen umherzukrabbeln beginnen, muß man sie an feste Nahrung gewöhnen. Man fügt nun das Dosenfutter zerdrückt bei. Tartar, kleingehacktes gekochtes Ei und zerdrückte Bananen vervollständigen das Nahrungsangebot.

Wiederaussetzen

Ist es gelungen, einen im Sommer aufgegriffenen verwaisten Igelsäugling großzuziehen, kann man ihn bei einem Mindestgewicht von 500 Gramm noch Anfang September in die Freiheit geben. Es empfiehlt sich aber vorher, den Igel unter Aufsicht täglich einige Zeit im Garten laufen zu lassen, damit er sich in der freien Natur besser zurechtfindet. Wer einen igelfreundlichen Garten besitzt, kann den Igel auch dort freilassen. Hier besteht dann die Möglichkeit, dem Igel noch etwas beizufüttern. Im Haus überwinterte Igel werden, je nach Witterung, spätestens Ende April freigelassen. Geeignete Biotope sind naturbelassene Gärten ohne Zäune, Dorfrandzonen mit viel Unterholz und Reisig, offene Schrebergärten und Naturschutzgebiete.

Igelschutz im Garten

Swimmingpools und Gartenteiche ohne Verlandungszonen müssen unbedingt an mehreren Seiten Ausstiege erhalten. Nur ein Ausstieg genügt nicht, weil ein in Panik geratener Igel nicht den Ausstieg an der gegenüberliegenden Seite wahrnimmt. Bedingt durch ihr schwaches Herz, können Igel nicht lange schwimmen. Als Ausstieg eignen sich kleine Bretter, die mit Querleisten versehen werden, damit die Tiere auf feuchten Brettern nicht wieder abrutschen. Gruben und Schächte sollte man entweder abdecken oder ebenfalls Bretter zum Ausstieg schräg hineinstellen.

Reisighaufen sollte man vor dem Verbrennen um-schichten. Auch beim Um-setzen von Komposthaufen ist Vorsicht angebracht, um keinen Igel zu verletzen.

Jeder verant-wortungsvolle Gartenbesitzer wird auf Schneckenkorn und andere Um-weltgifte ver-zichten. Grundsätzlich ist zu beachten, dass der Igel ein durch das Naturschutzgesetz geschütztes Tier ist, das weder gefangen noch getötet werden darf. Die einzige Ausnahme der Igelhilfe gilt nur bei wirklich hilfs-bedürftigen Igeln, die kurz-fristig im Winter von er-fahrenen Tier-freunden gepflegt werden dürfen oder bei im Sommer verwaisten Igel-säuglingen.

Im Rahmen dieses Merkblattes können nur die wichtigsten Hinweise gegeben werden. Der ver-antwortungsvolle Igelpfleger sollte sich auch durch Fachliteratur informieren.